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Was bleibt eigentlich noch Mensch? Was die Uni-Krise dem Mittelstand jetzt zeigt

Hausarbeiten, Gutachten, Standard-Code — KI erledigt das in Sekunden. Was die Universitäten erschüttert, ist die Frage, vor der jedes KMU bald steht.

Prof. Dr. Günther Suchy formuliert in seiner Kolumne auf Business Punk eine Diagnose, die akademisch klingt — und jeden Mittelständler direkt trifft: Die größte Selbsttäuschung vieler Universitäten sei der Glaube, sie würden noch konsequent für die Zukunft ausbilden.

Hausarbeiten, Gutachten, Übersetzungen, Datenanalysen, standardisierte Programmieraufgaben — das sind Tätigkeiten, die KI in Sekunden schneller und oft fehlerärmer erledigt als Menschen. Trotzdem bewerten viele Hochschulen genau diese Leistungen als zentralen Nachweis individueller Kompetenz. Suchy nennt das akademische Geisterbahn.

Die radikale Frage, die er sinngemäß stellt, ist nicht akademisch:

Welche akademischen Fähigkeiten besitzen überhaupt noch einen eigenständigen menschlichen Wert, wenn Maschinen große Teile der Wissensarbeit reproduzieren können?

Diese Frage stellt sich dir als KMU-Führungskraft auf einer anderen Ebene: Welche Rollen, Tätigkeiten und Verantwortungen in meinem Unternehmen haben einen eigenständigen menschlichen Wert?

Das heißt: Die Krise der Universitäten ist dein Frühwarnsystem.

Hat der Mittelstand wirklich einen Vorteil — und wenn ja, wie lange noch?

Universitäten haben ein strukturelles Problem: Curricula sind träge, Lehrstühle gewachsen, Prüfungsformate institutionell verankert. Ein vierjähriges Reform-Programm wäre ambitioniert. Suchy beschreibt das als historische Existenzkrise.

Ein KMU mit 30 bis 300 Mitarbeitenden kann heute entscheiden, welche Tätigkeiten auf Menschen gemappt werden — statt morgen ganze Strukturen retten zu müssen. Das ist ein echter Vorteil. Vorausgesetzt, du triffst die Entscheidung mit einer brauchbaren Sprache.

„Wer ist gut in was” reicht nicht mehr. Das ist die Antwort auf die alte Frage. Die neue lautet: Welche Funktion ist in meinem Team eindeutig menschlich — und wer trägt sie?

Was Indien zeigt: Es geht nicht um Abwehr, sondern um Neuausrichtung

Suchy zeigt einen aufschlussreichen Gegenentwurf. Indien geht nicht in die Defensive — KI wird dort als Infrastruktur behandelt, von der Grundschule bis zur Hochschule. Ziel ist, innerhalb der nächsten Jahre über eine Million KI-Fachkräfte auszubilden und KI-gestützte Lern- und Unterstützungsangebote auf breiter Fläche einzuführen. Chatbots für Studierende, adaptive Lernplattformen, KI-Agenten für Zulassung und Studienplanung.

Die Konsequenz: Indische Hochschulen bilden nicht mehr für Routinetätigkeiten aus, sondern für KI-Entwicklung, sektorale KI-Anpassung (Landwirtschaft, Gesundheit) und für die kritische Verantwortung über KI-Systeme.

Das ist exakt die Bewegung, die ein KMU jetzt machen darf: weg von „wer schreibt das Protokoll” — hin zu „wer trägt Verantwortung für das, was die KI produziert.”

Welche Sprache braucht es, um menschliche Funktionen im Team zu benennen?

Wenn die Frage welche Funktion ist eindeutig menschlich zur Gestaltungsfrage im Mittelstand wird, brauchst du eine Sprache, die nicht in jedem Halbjahr neu erfunden wird. Human Design ist eine solche Sprache. Sie benennt zuverlässig fünf Dinge:

  1. Wer initiiert — das setzt Urteilsvermögen voraus, das sich nicht delegieren lässt.
  2. Wer umsetzt mit Energie und Ausdauer — KI kann Aufgaben abarbeiten, aber nicht wollen.
  3. Wer leitet und delegiert — eine Frage von Sicht, nicht von Rechenkapazität.
  4. Wer das Ganze reflektiert — wer außerhalb der Gruppe steht und das System als Ganzes spiegelt.
  5. Wie jemand authentisch entscheidet — Entscheidung als menschlicher Vorgang, der nicht delegiert werden kann.

Das heißt: Mitarbeiterdesign macht aus dieser Landkarte ein konkretes Team-Bild. Kein Modell, das Menschen bewertet — sondern ein Rahmen, der sichtbar macht, wer welche Funktion trägt. Und welche Tätigkeiten sich getrost an KI übergeben lassen, ohne dass Verantwortung verloren geht.

Was du jetzt konkret tun kannst

Du musst das nicht als großes Strategie-Projekt anlegen. Du darfst klein beginnen:

  1. Audit: Welche Tätigkeiten in deinem Unternehmen sind KI-äquivalent? Routine-Texte, Standard-Auswertungen, Sortier- und Klassifikationsarbeit. Diese Tätigkeiten wandern in den nächsten Jahren teilweise an KI — besser, du gestaltest das bewusst.
  2. Welche Tätigkeiten sind eindeutig menschlich? Entscheidung mit Verantwortung, Reibung aushalten, die Energie eines Teams steuern, Vertrauen aufbauen, das Gesamtsystem reflektieren.
  3. Mappe die menschlichen Tätigkeiten auf Menschen mit passender Funktion — nicht auf „die hat es bisher gemacht”. Genau hier wird Mitarbeiterdesign aus Theorie zur Strategie.
  4. Stelle die Frage offen im Team: Wofür sind wir noch da, wenn KI 40 % unserer Arbeit übernimmt? Wer diese Frage vor dem Wettbewerb stellt, gewinnt Zeit — und Klarheit.

Was der Mittelstand heute vermeiden kann, was Universitäten gerade durchmachen

Suchy beschreibt die Uni-Krise als das, was passiert, wenn eine Institution Tätigkeiten weiter heroisiert, die keinen eigenständigen Wert mehr haben. Im KMU wäre das Pendant: Beförderung nach Output-Volumen statt nach Verantwortungsfähigkeit, Bewertung nach „wer war fleißig” statt „wer hat das Richtige entschieden”, Karrierepfade, die auf Routinekompetenz aufbauen.

Wer das jetzt korrigiert, hat 2030 ein anschlussfähiges Unternehmen. Wer wartet, fährt — Suchys Bild — Geisterbahn.

Du darfst das als Einladung lesen: nicht als Bedrohung, sondern als den richtigen Moment, endlich sichtbar zu machen, was in deinem Team wirklich menschlich ist.

Häufige Fragen

Heißt das, KI ersetzt die Hälfte meiner Mitarbeitenden?

Nein. KI ersetzt Teile von Tätigkeiten — nicht Menschen. Die Frage ist nicht wen entlässt du, sondern welche Rollen du auf ihren menschlichen Kern reduzierst — Entscheidung, Verantwortung, Reflexion, Teamführung.

Was hat Human Design damit zu tun?

Human Design benennt zuverlässig, welche Funktion ein Mensch im Team trägt — nicht was er gerade tut. Genau diese Unterscheidung wird in den nächsten Jahren strategisch. Das heißt: Du weißt, wer Verantwortung trägt, wer initiiert, wer das Ganze reflektiert. Das kann keine KI für dich beantworten.

Wo fängt man im Kleinen an?

Mit einem Bereich. Such dir eine Abteilung, benenne gemeinsam mit dem Team, welche Tätigkeiten KI-äquivalent sind — und welche eindeutig menschlich bleiben. Das skaliert dann.

Wo lese ich mich ein?

Niedrigschwellig: Human Design berechnen. Tiefer: Mitarbeiterdesign-Angebote.


Quelle: Prof. Dr. Günther Suchy, „Akademische Geisterbahnen: KI und die Krise der Universitäten”, Business Punk, Mai 2026. Aussagen sinngemäß wiedergegeben.